Die Augen des Pierre Chanteau – auf Schnitzeljagd im Finistère

Haben Sie schon eines entdeckt? An einer Hafenmauer oder einem Felsen am Strand? Man findet sie überall im Finistère, wo das Meer nicht weit ist: die Augen des Pierre Chanteau.

Aus Glas und Keramik sind die stilisierten Augen wie ein Mosaik zusammengesetzt. Einen guten halben Meter lang, manchmal in Augenhöhe montiert, manchmal ganz weit oben, manchmal offensichtlich, manchmal versteckt und manchmal sogar so, dass sie nur zu ganz bestimmten Zeiten sichtbar sind, bei Ebbe z.B. oder wenn die Flut dem Strand wieder große Mengen Sand geraubt hat. Sie wachen über die Meere wie die hundert Augen des Riesen Argus aus der griechischen Mythologie, von denen auch immer ein Augenpaar ruhte, während die anderen weiter wachten.

Sie säumen die Landschaft, folgen minutiös dem Verlauf der Küste, erheben die Felsen oder Bauwerke, an denen sie angebracht sind, zu einem Kunstwerk und betonen deren schlichte Schönheit, an der man sonst vielleicht einfach vorbei gelaufen wäre.

Die Website des Künstlers (http://pierrechanteau.fr/) erklärt dazu, die Augen seien „eine künstlerische und poetische Hommage an die Tausende von Männern und Frauen, die Seeleuten in Not Hilfe geleistet haben und leisten.“

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So wie die Seeleute der Antike große Augen an den Bug ihrer Schiffe malten, damit sie ihren Weg durch den weiten Ozean finden konnten und um die Besatzung vor den Gefahren auf See zu schützen, sollen diese Augen nun vom Land aus über die Seeleute wachen und gleichzeitig eine Würdigung der Aufmerksamkeit, des Mutes und der Solidarität der Seenotretter darstellen: Männer und Frauen, die ehrenamtlich immer wieder ihr Leben riskieren, um andere Menschen aus der Seenot zu retten.

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Jedes von Pierre Chanteaus Augen ist auf seine Weise einzigartig, da sie ausschließlich aus recycelten Materialien bestehen, Dingen mit Geschichte: alte Keramikscherben, Glasmurmeln, abgeschnittene Flaschenköpfe und ein aufgeschnittener Glasisolator.

113 dieser Mosaike hat er in seinem Atelier hergestellt und den Küsten- und Inselgemeinden des Finistère geschenkt. Die Gemeinden mussten ihrerseits nur die Genehmigung zur Anbringung erteilen und einen Ort vorschlagen – einen Felsen, eine Kaimauer, ein Wellenbrecher, eine Mole oder ein Gebäude direkt am Meer – Pierre Chanteau hat sie dann eigenhändig angebracht. Er hat dafür ein ganzes Jahr gebraucht, vom 21. Dezember 2019, dem Tag der Wintersonnenwende (solstice), bis zum 21. Dezember im Jahr darauf.

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Zusammen mit den drei Fotografen Jean Marc Nayet, Philippe Grincourt und Georges Grosz wurde sodann ein kleines Buch herausgegeben. Es beinhaltet je eine schwarz-weiß Fotografie von jedem der Augen sowie Übersichtskarten.

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Das Büchlein ist als Einladung gedacht, sich auf eine „Schnitzeljagd“ zu begeben, denn es sagt einem nie den genauen Standort des Auges… so bleibt die Schatzsuche spannend!

Ein Teil der Gewinne aus dem Verkauf dieses Buches geht an die Seenotrettungs-Organisationen SNSM und SOS-Méditerranée.

Sie können das Buch über die Website des Künstlers bestellen, es liegt auch in einigen Buchläden aus. (TAOL-LAGAD, SERR-LAGAD; Coup d’oeil, Clin d’Oeil en Finistère, ISBN 979-10-699-4848-8)

Machen Sie sich auf die Suche und „sammeln“ Sie die Augen während Ihres nächsten Urlaubs im Finistère! Es macht großen Spaß und Sie entdecken dabei die Schönheit der Küste. Wie viele finden Sie? Und seien Sie gewarnt: es ist nicht immer einfach, sie zu entdecken! Manche prangen ganz deutlich sichtbar, manche sind nur ein „Augenzwinkern“ zwischen den Gezeiten… zwei der Argusaugen dürfen ja immer schlafen.

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Für diesen kleinen Artikel haben uns einige Fotografen liebenswürdigerweise ihre Bilder zur Verfügung gestellt:

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Gabi Reichert (www.5reicherts.com) für die Augen-Bilder von Lesconil (unser wunderbares Titelbild), Loctudy, Beg Meil und der Ile de Sein.

Lieben Dank an Kirsten Pieck für die Fotos von Trévignon, Concarneau, Pont-Aven und Brigneau.

Und ein herzliches Dankeschön an Martina Doerenkamp-Hintze für das Auge von Pont-Croix.

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